Die Entwicklung von Goju Ryu Karate in Okinawa

Aus historischen Dokumenten erfahren wir einige der Namen, die ihre Spuren bei der Entwicklung von Kampfsporten in Okinawa hinterlassen haben. 1683, während des Reiches des Königs Sho Tei, sandte der chinesische Kaiser einen Delegierten namens Wanshu nach Okinawa, wo er sich im Dorf Tomari niederliess. Während seines Aufenthaltes brachte er den Einwohnern des Dorfes eine chinesische Kempo Kata bei. Nach Wanshus Rückkehr nach China übten die Dorfeinwohner die gelernten Techniken weiter und nannten die Kata „Wanshu“, nach dem Namen des chinesischen Delegierten und Kempo Lehrer. Die Wanshu Kata wird heute noch als eine Kata von Tomari Te weitergeübt. Ein weiterer Kempo Lehrer ist Kusanko. Mit einigen seiner Schüler zusammen besuchte er Okinawa im Jahre 1756. Wie vor ihm Wanshu unterrichtete er die Einheimischen in der Kunst des Kempo. Der Name Kusanku wird heute noch als Kata des Shuri Te geübt.

Higaonna Kanryo hat Naha Te gegründet. Tomari Te, Shuri Te, und Naha Te sind drei Kampftechniken die nach den Namen der Dörfer geübt wurden. Der gemeinsame Name der drei Techniken ist „Tode“.

Die Entwicklung von Naha Te

Die Bezeichnung der drei Stile wurde im Laufe der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts geändert. Shuri Te und Tomari Te wurden unter dem Namen Shorin Ryu zusammengefasst. Zu einem späteren Zeitpunkt wurde aus Naha Te Goju Ryu (Die hart–weiche Schule). Den Namen Goju Ryu verdanken wir Meister Miyagi Chojun. Butoku Kai war die Bezeichnung für die japanischen Kampfkünste. Dieser anerkannte 1933 das Goju Ryu Karate Do aus Okinawa als eine japanische Kampfsportkunst. Bis 1935 schrieb man Goju Ryu Karate Do mit den japanischen Zeichen für“Chinesische Hand“. 1935 entschieden sich die Sensei aus Okinawa für die Bezeichnung „Leere Hand“.

Zu einem späteren Zeitpunkt entwickelten sich aus Shorin Ryu verschiedene andere Stile, die sich aber nicht allzustark voneinander weiterentwickelten. Goju Ryu machte keine grossen Veränderungen durch. In Japan entwickelte sich Goju Ryu zu einer Organisation namens Goju Kai. Shito Ryu entstand aus einer Kombination von Goju Ryu und Shorin Ryu.

Heute ist Goju Ryu Karate Do nicht mehr eine Kampfkunst, die nur in Okinawa ansässig ist. Goju Ryu Karate Do ist heute fester Bestandteil der Karate-Familie in Japan und auch in vielen anderen Ländern.

Miyagi verglich seinen Stil (Goju Ryu) mit einem Weidenbaum, der dank seinen starken Wurzeln auch stärksten Winden widerstehen kann, während seine weichen Zweige sich dem stärksten Sturm anpassen.

Sämtliche Goju Ryu Kata haben ihren Ursprung in China. Die Sanchin Kata wurde in China mit offenen Händen geübt. Miyagi lehrte sie mit geschlossenen Fäusten. Miyagi entwickelte auch die Tensho Kata, so wie sie heute ist. Tensho ist der Ausdruck von weichen, runden Bewegungen. Die zwölf Kata, die ursprünglich von Miyagi Chojun gelehrt wurden, haben alle ihre Wurzeln ich China:

Kihon Kata

  • Gekisai-ich und Gekisai-ni (Angriff und Zerstörung I und II)

Kaishu Kata

  • Saifa (Zertrümmere und zerbrich)
  • Seienchin (im Kampf zupacken und ziehen)
  • Sanseiru (36 Hände)
  • Seipai (18 Hände)
  • Shisochin (Schlacht in vier Richtungen)
  • Seisan (13 Hände)
  • Kururunfa (mit alten Gottesanbeterin Techniken zerstören)
  • Supüarinpei (108 Hände)

Tanren Kata

  • Sanchin (3 Schlachten)
  • Tensho (rotierende, klebende Hände)

Die Techniken, die in den Goju Ryu Kata zur Anwendung kommen, sind ursprünglich für Selbstverteidigung und nicht für Sport gedacht. Kurze, kreisende Abwehrbewegungen, starke Hebeltechniken, effiziente Faustschläge, Würfe und tief gehaltene Tritte charakterisieren die Kunst, die Miyagi so sorgfältig entwickelt hat.

Miyagi war ein sehr strenger Lehrer, für den die Grundschule (Kihon) eine sehr wichtige Rolle spielte. Er nahm von seinen Schülern keine Bezahlung an, und er verteilte keine Grade, da kein Graduierungssystem existierte.

Techniken

Charakteristisch für Goju Ryu Karate Do sind:

  • Das Miteinander von hart und weich, wie sie in den Tanren Kata Sanchin und Tensho geübt werden.
  • Die kurz angesetzten und sehr kraftvollen Tsuki Waza (Faustschläge) sowie die Nahkampftechniken.
  • Der Wechsel zwischen stabilen Fussstellungen (Sanchin Dachi und Shiko Dachi) und den sehr flexiblen Stellungen wie Neko Ashi Dachi (Katzenfussstellung), die sehr schnelle Gegenangriffe möglich machen.
  • Fusstritte wie Mae Geri, die nicht höher als bis zum Solarplexus des Gegners zielen.
  • Abwehrtechniken die zur Hauptsache aus runden und sich drehenden Armbewegungen bestehen (Soto-uke, Kake-uke und Mawashi-uke)
  • Dem Chi-Gong entnommene chinesische Atemtechniken.

Do und Jutsu

Über die Unterschiede von DO und JUTSU wird auch heute noch debattiert. Als in Japan die Samurai Ära zu Ende ging, veränderte sich die Kultur markant und die Technik verdrängte so manches. Die Kampfkünste verloren rasant an Bedeutung. Viele wollten aber Ihre Kunst weiter ausüben, mussten aber nach neuen Zwecken suchen. Es setzten Prozesse der Selbstfindung ein, vor denen auch Goju Ryu Karate nicht verschont wurde.

Es entstanden auch neue, weichere, mehr den Sinnen zugewandte Künste, wie zum Beispiel Ikebana (Blumen-Arrangements), oder Chan o Yu (Teezeremonie). Mit der Zeit wurde nach einem tieferen Sinn der Realität, Menschlichkeit und des Lebens gesucht. Diese neuen Generationen suchten nicht mehr nach Wegen einen Gegner zu töten. Ein wichtiges neues Ziel war Selbsterkenntnis. Es entstand „DO“ (das japanische Wort DO entspricht dem chinesischen TAO und wurde auch als DER WEG übersetzt). Dabei geht es um einen Weg durch das Leben, ein Weg zur Erleuchtung. Es entstanden neue Inhalte und Bezeichnungen, wie beispielsweise Goju Ryu Karate Do, Ken Do, Iai Do, Cha Do, Kyu Do usw.

Die Tatsache, dass eine Kampfkunst nicht mehr einfach mit der Endung JUTSU versehen wurde, veränderte die Natur der Suche: Menschwerdung, Selbsterkenntnis. Der Unterschied zwischen JUTSU und DO liegt darin, dass JUTSU so viel bedeutet wie Technik, während DO einer „Veredlung“ der Kampfkunst gleichkommt. Bei DO spielen philosophische Elemente mit, die bei JUTSU nicht vorhanden sind und nach denen ein Karateka der JUTSU übt kein Verlangen hat. Jutsu ist rein funktionell. DO und Jutsu sind nicht ganz verschieden voneinander. Sie sind aber auch nicht ein und dasselbe.

Karateka, die sich im DO (Weg) üben, müssen einen schwierigen und holprigen Weg begehen um an ein Ziel zu erreichen, das praktisch unerreichbar ist. Hier kann man mit gutem Gewissen sagen, DER WEG IST DAS ZIEL. Bevor ein Karateka Meister wird muss er folgende Ziele verfolgen: Absoluter Gehorsam dem eigenen Lehrer gegenüber, ein fester Wille, sein Lernen weiter und immer weiter zu üben, und die ganze Selbstverantwortung für seinen Weg. Für sie ist die Natur Zentrum ihres kulturellen Wachstums. Das spirituelle und die Natur sind untrennbare Einheiten. So erstaunt es nicht, dass Meister einer DO Kunst neben der Ausübung der vorgegebenen Techniken, sich auch „weichen“ Künsten, wie z.B. Kalligraphie, Bonsai, Gedichte oder die Kunst des Tees widmen. BUDO ist immer auch ein WEG Ausgleiche zu schaffen.

Bedenken wir was oben alles zu DO steht, so erstaunt es nicht, dass Karate Do Übende ihre Kunst nicht dazu verwenden, um anderen Wesen zu schaden.

Abschliessend kann gesagt werden, dass es drei wichtige Voraussetzungen gibt um Goju Ryu Karate Do zu erlernen:

  • Ein guter Lehrer
  • Ein intelligenter Schüler
  • Freiraum für das Training