“Ich kann dir ganz genau sagen, warum deine Abteilung ihre Umsatzziele nicht erreicht. Du motivierst dein Team zu wenig und falsch. Ändere das und der Erfolg wird euch sicher sein.” – “Motivieren? Wie denn? Wir haben doch auch unser Bonussystem. Was soll ich denn deiner Meinung nach sonst noch tun?” – “Eh! Eben! Motivieren musst du deine Leute.” – “Das habe ich verstanden. Aber wie? Wie soll ich sie motivieren?” – “Du bist Teamchef und von Dir verlange ich, daß du deine Zahlen erreichst. Wenn nötig eben mit Motivation.” – “Laß uns doch darüber reden. Motivation. Das ist doch bloß so ein modernes Schlagwort…” – “Ist es eben nicht. Schon mal was von Zuckerbrot und Peitsche gehört?” (Wenn er Recht hätte, stünde es wirklich schlecht um sein Führungsverhalten)

Motivation hat die Menschen schon immer fasziniert. Warum verhalten sich Menschen und Tiere so und nicht anders? Leider ist Motivation in unserer Zeit zu einem Schlagwort geworden, abgedroschen und zu weit mehr Mißverständnissen führend, als zu hilfreichen Instrumenten die der Zielerreichung dienen könnten. Motivation muß für sehr viel hinhalten. Und so denken unzählige sonst sehr kritische Individuen, daß sie genau wissen warum, sich ihr Chef ihnen gegenüber abweisend verhält, die Freudschen Gründe, warum der Lebenspartner oder die Lebenspartnerin sich in eine andere Person verliebt, und sich mit einem Menschen zusammentut, der über weit weniger Attraktivität verfügt und bedeutend ärmer ist. Freud muß schon seit Jahrzehnten für sehr viel hinhalten. Auch Oedipus und seine Schwester Antigone.

Shakespeare porträtiert seine Machtmotivation in seinen Tragödien MacBeth, König Lear und in seinem wohl grausamsten Stück Titus Andronicus. Seine Freude an der Liebe drückt er  in seinen Sonetten aus. Der gleiche Mensch, der Barde einmal mit Blut triefender Feder, und dann wieder mit.

Liebessehnsüchten, und einem Federkeil von dem Honig trieft. Ein und der selbe Mann – einmal als mörderischer, aus Genghis Khans Lenden entsprungener, alles zerstampfendem Hordenführenden Mordbube, und dann, ein paar Atemzüge weiter als selig liebender und zärtlicher Othello der mit der linken Hand streichelt und der rechten zusticht. Und alles nur, weil er weder Jagos noch Desdemonas Motive verstanden hat.

Von Machiavelli bis zu unseren Tagen, haben politische Beobachter auf die Wichtigkeit des Wunsches nach Macht in allem Zwischenmenschlichen hingewiesen. Was haben die Psychologen an den Theorien der Macht beigetragen? Es ist Zeit Rückschau zu halten darüber, was die Forschung erreicht hat und was sie noch zu entdecken hat. Das Thema Macht ist äußerst Komplex und mißverständlich. Es ist aber auch spannend.

Der ständige Krieg gegen uns selbst

Das Spektrum des Bösen hat unzählige Facetten. Vielleicht ist es uns bestimmt in uns einen ständigen Krieg gegen uns selbst zu führen. Einen Krieg, den wir dann nach draußen Tragen, wo wir dann in anderen Menschen, Gesellschaften das bekämpfen, was wir in uns selbst als Zerstörungswürdig betrachten. Es ist der Grund aller Feindbilder, der Feind in uns selbst, den wir auf andere projizieren und mit allen zur Verfügung stehenden Kräften bekämpfen. Dadurch – so glauben wir – verschwindet das Böse in uns, wir werden rein und behalten das vermeintlich Gute. Wenn ein Mensch als gut bezeichnet wird, so wird er schon zum Fast-Heiligen. Es bleibt aber immer die Vermutung, daß sich hinter dem Heiligen sein Gegenteil verbirgt: Das Böse, das sich des Guten als Maske bedient. Es gibt genügend Beispiele von Menschen, die scheinbar ein bewundernswert gutes Leben führen, und plötzlich als verbrecherische Teufel entlarvt werden. Wieso verwandelt sich zum Beispiel Der Arzt Dr. Jeckyll nachts in ein Monster, um als Mr. Hyde ungeheuerliche Verbrechen zu begehen? Die Geschichte zeigt uns, daß wir eben nicht ohne den anderen überleben können. Und deshalb kann das Gute auch nicht alleine existieren. Es braucht die dunkle Seite. Und auch Oscar Wilde’s Dorian Grey verzichtet nicht auf sein verbrecherisches und ausschweifendes Leben, obwohl er täglich sehen kann, was mit ihm geschieht, wenn er auf das Bild schaut, das an seiner Stelle altert. Das Portrait war der einzige Zeuge Dorian Grey’s Ermordung seines ehemaligen Freundes und Malers Basil. Dorian zerschneidet das Bild mit einem Messer. Nun hängt das in seiner Schönheit wiederhergestellte Bild des ewig jungen Gray an der Wand. Er aber stürzt zu Boden. Ein alter runzliger, zutiefst häßlicher Mensch mit einem Messer im Herzen. Nur die Ringe an seinen Händen verraten, dass es sich um den einstigen Society-Liebling Dorian Grey handelt.

Lohnt es sich einige der oben erwähnten Gedanken aufzunehmen und weiter zu spinnen? Eines ist sicher, keine Seite kann zurück, weder die Macht noch die Ohnmacht. Weder das Gute noch das Böse. Ohne Ödipus, der seinen Vater erschlagen und seine Mutter geheiratet hat, gäbe es keine Antigone, die erste große Empörerin in unserer Geistesgeschichte.

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