Der Begriff Macht stammt aus dem Alt- und Mittelhochdeutschen „maht“, das sich auf „mugan“ beziehungsweise „mügen“ zurückführen lässt. Der Ursprung liegt im Gotischen „magan“ und bezeichnet „können und vermögen“ (Canetti, 1989, S. 313 ff.). Verfügt ein Mensch über Macht, so bedeutet dies, dass er über die Möglichkeit verfügt, zu handeln. Die Macht hat drei Gesichter: Das Schöne, das Hässliche und das Angstbesetzte. Die meisten Menschen würden Josef Stalins Macht als illegitim oder unmoralisch bezeichnen. Für diejenigen aber die seine Legitimität akzeptierten, war er als Führer inspirierend und charismatisch.  Dasselbe können wir von längst toten aber auch von einigen noch quicklebendigen Führern von Nationen sagen: Kim Jong II, Hitler, Ceausescu,  George W. Bush, Ahmedinedaschad. Das ist eine kleine Auswahl. Es gibt eine Dämonie in der Macht, die dafür sorgt, daß der Mensch auch das barbarische in sich trägt, ohne sich besonders unwohl zu fühlen.

Dass Macht faszinierend und abstossend zugleich auf mich wirkt, hat mich dazu angeregt, diese Texte zu schreiben, im vollen Bewusstsein, dass ich mich dadurch angreifbar und verletzbar mache. Es geht den meisten Menschen so, die über das Phänomen Macht schreiben oder sprechen. Der Grund dafür liegt wohl in der Tatsache, dass Macht vielen Menschen sehr nahe geht und dieses Wort mit starken Gefühlen und moralischen Skrupeln besetzt ist. Man spricht über Macht in aller Selbstverständlichkeit, obwohl der Begriff sehr unklar und deshalb missverständlich ist. Mit was kann nun Macht assoziiert werden? Mit Zwang oder Freiheit? Mit Krieg oder Frieden? Was hat Macht mit Gewalt und Grausamkeit gemeinsam und was mit Menschen wie Jesus, Nelson Mandela, Mahatma Gandhi und Mutter Teresa? Übt Macht auf uns Macht aus, weil wir zu wenig wissen, warum es sich handelt und wie können wir dem gegenüber treten?

Ehrfurcht erfüllt mich, wenn ich an Nelson Mandela, Winston Churchill, Disraeli, die Baumeister der Ägyptischen, Aztekischen und Inka Kulturen denke. Wut und Terror kommen in mir auf, wenn ich mich gedanklich mit Ahmedinedschad, Kim Jong Il sowie Pol Pot und ein Paar andere Bestien der neueren Zeit befasse. Besonders der ehemalige Lehrer Pol Pot, dem Kambodscha und die Welt die “Killing Fields” mit Millionen toten Kambodschaner zu verdanken hat, stelle ich mir vor, wie er händchenhaltend zwischen Josef und Adolf  spazieren geht.

Wir lassen es oft aus Bequemlichkeit zu, dass alles seinen geordneten Platz haben muss, und denken in „Gut“ und „Böse“ Kategorien. Das „Gute“ hetzen wir dann auf das „Böse“, in der Hoffnung, dass es über alles was schlecht ist siegreich bleibt. Nur liegt es leider in der Natur dieser zwei Pole, dass sie  ihre Form ändern und damit unsere Wertungen auf den Kopf stellen. Diese simple Kategorisierung ist es, die der Menschheit unzählige große und kleine Kriege beschert hat. Die aktuellsten Beispiele: Tschetschenien, Irak, Palästina, Afghanistan und das immer unruhige Afrika..

Marx fand den Schlüssel zur menschlichen Natur im Reichtum und Freud fand ihn im Sex. Ich bin der Meinung er ist in der Macht zu finden. Macht ist das ultimative Ziel und ist in mit seinen unzähligen Masken das wichtigste Element in der Entwicklung jeder Gesellschaft. Glücklicherweise aber, mache ich mir keine allzu grossen Gedanken darüber, was geschehen wäre, wenn Richard Wagner, der sich als Schüler Schopenhauers betrachtete, auch nur in die Nähe von politischer Macht gekommen wäre. Wir sollten nie vergessen, dass aus einer Mischung von Macht und Fanatismus, die Inquisition, die Kreuzzüge und der Aufschwung des fundamentalstischen Islams entstanden sind.  Also, lieber keine Macht? Ich bin der Überzeugung, dass politische Macht unter anderem dazu da ist, Menschen davor zu schützen, sich gegenseitig die Köpfe einzuschlagen. Ich werde versuchen, aufzuzeigen,  dass das fundamentale Konzept in den Sozialwissenschaften die Macht ist, genauso wie Energie das fundamentale Konzept der Physik ist.

Kluge Köpfe suchen seit Jahrtausenden nach den Wegen, die zum Gipfel der Macht führen. In der Tat haben Politiker, Philosophen und Schriftsteller aus aller Welt sich in mehr als 3000 Jahren Gedanken über Siege und Niederlagen im Kampf um die Macht gemacht.

Wo Macht missbraucht wird, verliert die Ohnmacht ihre Unschuld

Wer darf über wen befehlen? Was sind die obersten, leitenden Ideen oder Prinzipien, nach den Ressourcen verteilt und Menschen sozial angeordnet werden sollen? Machtmissbrauch liegt in der Regel dann vor, wenn jemand den Lebens-, Handlungs-, und Denkspielraum eines andren Individuums so einengt oder verändert, dass dieser sich wider Willen und ohne Möglichkeit zur Gegenwehr fügen muss. Genauer geht es darum, dass

  1. Die Ressourcenverteilungsregeln so festgelegt werden, dass die einen Menschen ihre biologischen, psychischen und sozialen Bedürfnisse nicht befriedigen können, während andere Menschen sich mit Luxusgütern  eindecken.
  2. Wenn die sozialen Anordnungsregeln sozioökonomische Ausbeutung, kulturelle Kolonisierung, psychische wie technische Manipulation ermöglichen.
  3. Wenn Rechtsverbiegung, Rechtswillkür und -missachtung durch staatliche Einrichtungen betrieben werden und schliesslich
  4. Wenn in interpersonellen Beziehungen  (ausserhalb des staatlichen Gewaltmonopols) physische Gewalt in irgendeiner Form angewendet wird.

Machtmissbrauch macht es notwendig als Korrektiv den positiven Umgang mit Macht, u.a. als Erweiterung oder legitime Begrenzung von Handlungsspielräumen, ebenfalls zu definieren.

Macht und Gewalt   

Das Bedürfnis nach Macht und die Bereitschaft sie mit Gewalt durchzusetzen, hat die Menschen seit der Zeit beschäftigt als die Schimpansen uns noch viel näher waren. Wie wohl kein anderes Motiv zeigt uns die Macht, zu was Menschen im Guten und im Bösen fähig sind. Aus diesem Grund gilt auch unter Wissenschaftler die Machtmotivation als sehr viel komplexer, verglichen mit dem Bedürfnis nach dem Leistungs- oder Anschluss-Motiv. Aus guten Gründen will man heute in der Machtmotivation eine etwas düstere Seite von Mensch und Menschsein sehen.  Praktisch jeder Wissenschaftler, der sich mit der Persönlichkeit des Menschen auseinandergesetzt hat, musste irgendwann feststellen, dass in jedem Menschen ein  Bedürfnis nach Macht, Dominanz und Aggression innewohnt. Aber lange nicht jeder Mensch kann alleine das zuwege bringen was Hitler gelungen ist. Er hatte praktisch den ganzen Staat hinter sich., wurde von der Partei unterstützt, dem Militär und von vielen Intellektuellen, und einem grossen Teil der Bevölkerung. Hitler allein hätte keinen Holocaust zustande gebracht. Dazu war er eine Nummer zu klein. Niemand, der nicht das Chaos der letzten Jahren der Weimarer Republik in Deutschland erlebt hat, kann Hitlers Erfolg nachvollziehen: Sechs Millionen Arbeitslose, die Hoffnungslosigkeit und die Hilflosigkeit einer Jugend, die ihre Prüfungen ablegte ohne wirklich auf eine Anstellung hoffen zu können, die Angst, die jeder Arbeitende zutiefst fühlte, seine Stellung zu verlieren. Kurz: Die gleiche Angst, die man in Frankreich während der französischen Revolution “La grande peur” nannte. Und dennoch, liest man die Hitler Biographie von Joachim C. Fest, erscheint der Massenmörder Hittler als ein tragisches, quasi mitleiderregendes und psychopathisches Wesen.

Aber es gibt noch andere “Machtmissbraucher” als Hitler. Nehmen wir zum Beispiel Mao, der ehemalige Regent über einem Viertel der Menschheit. Mao hat in Friedenszeiten an die 70 Millionen Chinesen umbringen lassen. 1974 hat er  dem Ministerpräsidenten Tschou en Lai eine möglicherweise lebensrettende Operation verweigert, ganz einfach, weil Mao älter werden wollte. Ein Gegenpol zu diesem Verbrecher bildete “General of the Army” Douglas MacArthur. Als zutiefst menschlicher Feldherr hat er es fertig gebracht Japan mit einem Minimum an eigenen Verlusten zu besiegen. Es folgte der Wiederaufbau des einstigen Gegners und die Einsetzung eines demokratischen Parlamentes. Im Koreakrieg warf er die angreifenden Nordkoreaner durch eine strategische Gewaltleistung bei Inchon zurück. Er Schnitt den Nordkoreaner die Verbindungslinien und drängte sie über die Grenze nach Norden zurück. Erst als die Chinesen in das Kriegsgeschehen eingriffen, forderte MacArthur den Einsatz von Atomwaffen, geriet in Konflikte mit seinem Präsidenten und wurde schließlich seines Amtes enthoben. Bei seiner Entlassung mag die Tatsache mitgespielt haben, daß MacArthur auf den Präsidentensitz scharf war. Beide, Mao und MacArthur verfügten über viel Macht, setzten sie aber auf ganz verschiedene Art und Weise ein.

Gefahren der Macht

Macht hat ihre Gefahren. Vor allem kann sie Gier auslösen – und die ist unersättlich. Außerdem kann Führen sehr verführerisch sein. Darum eine Warnung: Bedenken Sie bei allem was Sie tun, daß Sie auf dem Gipfel Ihres persönlichen Aufstieges feststellen werden, daß andere (von denen Sie erst allmählich erfahren) noch weit über Ihnen stehen. Soviel Sie auch erreichen können, letztlich werden Sie alle Ihre Macht wieder verlieren. Lernen Sie daher Ihre Macht mit größter Verantwortung zu nutzen. Letztlich können Sie sich nur auf die Macht verlassen, die Sie über Ihr „Ich“ gewinnen. Wenn Sie das schaffen, haben Sie Ihre Seele nicht ganz verloren. Das ist der „kühle“ Weg zur Macht, es gibt noch einen „warmen“ Weg, bei dem Sie Ihre wahre Anschlußmotivation entwickeln. Auf diesem Weg werden Sie wahrscheinlich nicht ganz nach oben kommen, doch bleibt dies nur den wenigsten vergönnt. Auf dem Gipfel jeder wirklichen Macht steht nur einer – wie viele aber sind auf dem Weg dahin steckengeblieben und eingefroren?

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